Perfekter Rhythmus! – Eine der wichtigsten Fähigkeit die Du als Gitarrist beherrschen solltest

von Ben Madwitch

 

Ein, zu Unrecht, oftmals übersehenes Thema von vielen – auch Namenhaften und etablierten – Gitarristen. Wenn Du dich schon einmal näher mit dem Thema Rhythmus auseinander gesetzt hast und den Unterschied zwischen wirklich 100 % (!) tight gespielten Riffs (also 100 % auf den Beat genau) und nicht tight gespielten Riffs gehört hast, weißt Du wovon ich rede.

Auch ich machte diese Erfahrung und lernte einiges daraus. Ursprünglich glaubte ich mein Rhythmus sei „gut genug“ – „zumal ich eher immer mit einem Metronom übe und in diversen Bands spiele, brauche ich das auch nicht separat üben.“ So war meine damalige Denkweise, bis ich eines Tages feststellte – als ich gerade irgendein Riff spielte – das irgendetwas nicht stimmt. Es war aber nicht die Stimmung meiner Gitarre die nicht passte, sondern der Rhythmus des Riffs. Er klang irgendwie völlig „schwammig“ und überhaupt nicht tight. Ich hörte mir das Riff nochmal im Original an und es klang alles richtig tight und hatte einen so verdammt guten Groove. Als ich das Riff dann aufnahm und mich wirklich nur auf meinen Rhythmus konzentrierte, hörte ich, dass ich nicht 100 % auf den Beat genau spielte. Doch genau die „Fähigkeit“ sollte ich besser beherrschen und zur Gewohnheit machen. Also begann ich mich dem Thema Rhythmus gesondert zu beschäftigen – eine Investition die sich geloht hat! Nachdem ich mich mehrere Monate lang mit diversen Rhythmusübungen beschäftigt hatte, konnte ich die Ergebnisse deutlich hören. Mein gesamtes Rhythmusspiel klang wesentlich tigther und professioneller. So macht das ganze noch viel mehr Spaß!

Also, wie erfährst Du ob Dein Rhythmusspiel tight ist oder nicht? Die Antwort folgt im nächsten Abschnitt.

 

Nimm Dein gespieltes auf und höre es dir genau an!

Das aufnehmen Deines gespielten ist eines der wichtigsten und hilfreichsten Dinge die Du tun kannst und auch tun solltest, um Dein gespieltes wirklich zu analysieren und bewerten zu können. Während Du spielst/übst konzentrierst Du dich zu sehr auf das eigentliche spielen. Wenn Du es allerdings aufnimmst, kannst Du es danach bequem und mit mehr Konzentration analysieren. So wird es dir viel einfacher fallen, Fehler heraus zu hören. Auch kannst Du Deine gespeicherten Aufnahmen nach ein paar Monaten nochmal anhören, um Deinen Fortschritt bewerten zu können. Das ist sehr wichtig. Vieles klingt wie es klingen soll, während man es spielt. Eine Aufnahme kann das ehrliche und objektive Gegenteil beweisen – was sehr gut ist. So kannst Du z. B. Deine Schwächen und Fehler feststellen und diese anschließend üben, um sie zu beseitigen.

Wenn Du noch kein Recording Equipment haben solltest, kaufe Dir welches. In der heutigen Zeit gibt es viel gutes Recording Equipment zu bezahlbaren Preisen. Für den Anfang reicht auch gutes, gebrauchtes Equipment. Recordingsoftware gibt es bereits für 0 € als Freeware Programm. Es ist immer von Vorteil etwas zum aufnehmen zu haben. Nicht nur um Deinen Fortschritt bewerten zu können, sondern auch wenn Du beispielsweise ein paar Songideen, Solos, Improvisationen etc. aufnehmen möchtest. Auch wenn Du derzeit noch kein Interesse für z. B. Songwriting haben solltest, es könnte der Tag X kommen an dem Du dieses verdammt tolle Riff oder cool Melodie hast und Du diese unbedingt aufnehmen möchtest, aber nicht aufnehmen kannst, da Du kein entsprechendes Equipment hast. Wenn Du Deine Ideen nicht zeit nah aufnimmst, wirst Du sie sehr schnell vergessen. Schade um die Idee!

 

Rhyhtmusübungen

Voraussetzung für Rhyhtmusübungen ist nicht nur mit einem Metronom oder Drumcomputer zu üben, sondern die Metronomschläge oder Drumpatterns zusätzlich zu Deinen gespielten mit aufzunehmen. Nur so kannst Du wirklich Deinen Rhythmus analysieren. Konzentriere Dich und versuche so tight wie möglich zu spielen. Höre dir die Aufnahmen genau an und sei sehr kritisch. Auch wenn es nur eine winzig kleine Abweichung gibt, versuche diese zu beheben.

Die folgenden 5 Übungen sind nur Beispiele. Es gibt unzählige von Rhythmusübungen. Du kannst dir auch ganz einfach Deine eigenen Übungen erstellen.

 

Rhythmusübung 1 – Ganze Noten

Ganze Noten, willst Du mich veräppeln?! Nein, probiere es aus. Wenn Du beim ersten Mal 100 % genau spielst, d. h. exakt beim 1. Schlag anfängst und beim 1. Schlag des Pausentaktes den Powerchord mutest, sodass wirklich keine Geräusche mehr zu hören sind, dann Glückwunsch!

Soundbeispiel Ex. 1 – Ganze Noten

Rhythmusübung 1

 

Rhythmusübung 2 – 8tel Noten

Übe diese Übung sowohl mit Alternate Picking (also Abschlag, Aufschlag, Abschlag, etc.) als auch mit reinen Downstrokes (Abschlägen) + Palm Muting (Was ist Palm Muting?). Achte bei den Downstrokes darauf, dass das Muting gleichmäßig ist und Du jeden Schlag gleich betonst.

Soundbeispiel Ex. 2 – 8tel Noten

Rhythmusübung 2

 

Rhythmusübung 3 – 3+2+2 Rhythmus

Auch wenn dieser Rhythmus im 4/4 Takt gespielt wird, klingt er schon mehr nach einem ungewöhnlicheren Takt (auch „Odd meter“ genannt). Dieser Sound entsteht durch die 3+3+2 Aufteilung des Taktest. Neben diesem Rhythmus gibt es noch einige andere solcher Taktzerlegungen.

Soundbeispiel Ex. 3 – 3+3+2 Rhythmus

Rhythmusübung 3

 

Rhythmusübung 4 – 8tel Triolen

Verwende Alternate Picking und betone den Schlag, der auf den Beat kommt. Wenn Du das sicher kannst, versuche jeden Beat mit einem Downstroke zu spielen. Das Pickingschema sieht dann folgendermaßen aus:
Abschlag, Aufschlag, Abschlag – Abschlag, Aufschlag, Abschlag – etc. Du musst also 2 Abschläge infolge spielen. Dadurch jeder Beat mit einem Abschlag betont wird und ein Abschlag i. d. R. viel dynamischer ist als ein Aufschlag, entsteht auch ein dementsprechend viel kräftigere Sound. Wenn Du genau hinhörst, wirst Du feststelle, dass ich im Audiofile zwischen beiden Pickingpattern variiere.

Soundbeispiel Ex. 4 – 8tel Triolen

Rhythmusübung 4

 

Rhythmusübung 5 – Riff

Zu guter letzt noch ein kurzes Riff. Nehme Dir auch ein paar Deiner Lieblingsriffs oder erstelle Deine eigenen und übe diese.

Soundbeispiel Ex. 5 – Riff

Übungsriff

 

Tipps zum Üben

Übe nicht alle Rhythmusübungen auf einmal. Suche Dir immer nur 2, 3 Übungen heraus. Habe Geduld und starte die Übungen mit einem für dich geeigneten, langsamen Tempo. Lasse dich nicht beim den ersten Aufnahmen „täuschen“. Manchmal kommt es vor, besonders wenn man diese Rhythmusübungen zum ersten Mal übt, dass man gleich bei der ersten Aufnahme das „Gefühl“ hat alles korrekt zu spielen. Oftmals täuscht man sich aber und hört diese Fehler erst beim 2. oder 3. mal genaueren anhören. Nehme Dir wirklich Zeit dafür. Andernfalls verschwändest Du diese. Mit der Zeit wirst Du Deinen Fortschritt spüren, das jedoch benötigt wiederum ein Weilchen. Es nützt Dir also gar nichts, dich schnell durch diese Übungen zu spielen. Denke Qualität statt Quantität. Vieles nimmt nun mal ein bisschen Zeit in Anspruch – und nein, das soll NICHT frustrieren, sondern viel mehr motivieren. Wir alle, auch ich und jeder andere noch so professionelle Gitarrist, ging durch diesen Prozess. Genieße Ihn und freue dich über jeden kleinen Fortschritt den Du machst. Und denke immer daran: Habe Spaß!

 

Wie immer freue ich mich über Deine Kommentare und Fragen. Also poste sie!

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