Inspiration und Dein eigener Stil

von Ben Madwitch

 

Seinen eigenen Stil als Gitarrist zu haben, also Eigenschaften die Dich auf gewisse Art einzigartig machen und die Dir einen Widererkennungswert geben, ist ein häufiges Ziel von Gitarristen und Musikern im Allgemeinen. Den Stil eines bereits bekannten Musikers nach zu stellen ist okay. Jedoch klingt derjenige dann auch „nur“ wie der andere Musiker und nicht wie er selber.

Wäre es nicht verdammt cool wenn Leute Dich an Deinen eigenen Stil wieder erkennen und Du DER Gitarrist bist und nicht der Gitarrist der so klingt wie Gitarrist X? In den nachfolgenden Abschnitten, werde ich Dir einige Tipps und Anregungen geben, wie auch Du Deinen eigenen Stil entwickeln kannst. Zu nächst aber möchte ich auf das Thema „Inspiration“ etwas genauer eingehen.

 

Inspirationen können einen großen Teil Deiner Motivation positiv beeinflussen. Wie man sich „inspirieren“ lässt kann von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich sein. Das eigentliche Problem liegt meistens eher darin, dass sich viele Musiker immer wieder von demselben Inspirieren lassen. Sein es die Lieblingsmusik oder die schon 100 mal gesehene Live DVD der Lieblingsband.

So schließt man sich jedoch als Musiker in eine Box ein, dessen Inhalt irgendwann „aufgebraucht“ sein wird. Man hört immer wieder dieselbe Musik/Stil, schaut dieselben Videos, liest dieselben Bücher etc. Eine viel größere Bereicherung für Deinen Fortschritt als Musiker und Gitarrist wirst Du jedoch erhalten, wenn Du aus dieser Box ausbrichst und neues entdeckst und auf Dich einwirken lässt. Mit „neuem“ meine ich besonders Musikstile, mit denen Du noch nicht vertraut bist.

Suche nach anderen Bands, Gitarrist etc. welche nicht nur Deinen bisher favorisierten Stilen entsprechen. Lass dich auch von anderen Musikern wie z. B. Sänger und Saxophonisten inspirieren. Professionelle Sänger und Saxophonisten haben nicht nur ein großartiges Vibrato, sondern auch ein hervorragendes Phrasing.

Gebe dem neuen Material etwas Zeit. Nicht selten kommt es vor, dass man sich ein Album von einer noch nicht ganz so vertrauten Band/Stil kauft und es im ersten Moment eigentlich gleich wieder in die Ecke stecken möchte. Bei mir ist das öfters so, dass ich mir ein neues Album oder ein neuer Song erst nach mehrmaligen anhören gefällt. Gebe dem neuen Material ein Chance und verbanne es nicht sofort nach dem 1. Mal anhören.

 

Als ich anfing Gitarre zu spielen, hörte ich auch immer nur die gleichen Bands. Besonders eine Band favorisierte ich am Anfang sehr stark. Ich hörte diese Band mehrere Monate zu 98 %! Meine Ohren wollten einfach nichts anderes hören. Ich dachte das diese Band DIE Band schlecht hin war und, dass wenn ich andere Musik hören würde, ich mir meinen Geschmack verderbe. Diese Denkweise war natürlich total lächerlich. Ich war einfach in einer Box gefangen, aus der ich nicht ausbrechen wollte. Das was mein Fehler.

Es ist kein vergehen und es wird Dich und Deinen musikalischen Geschmack garantiert nicht verderben, wenn Du als Rock orientierter Gitarrist Jazz hörst, oder andersherum. Zum einen wirst Du an Erfahrung gewinnen und zum anderen wird so manches neues Deinen musikalischen Horizont erweitern. Nicht selten wird Dich dies auch zu dem Musiker und Gitarrist lenken, der Du WIRKLICH sein willst. Manchmal muss man altes aufgeben, um neues zu erreichen. Dieser Spruch passt an dieser Stelle sehr gut. Wenn es Dir im letztendlich nicht gefällt, musst Du es nicht mehr anhören. Jedoch weißt Du dann erstmal wie sich das anhört und das es Dir zu diesem Zeitpunkt nicht gefällt.

 

Sich inspirieren zu lassen dient nicht dafür, um jemanden zu kopieren, sondern viel mehr um Deinen Horizont zu erweitern und neue Ideen zu haben bzw. Deine musikalische Denkweise zu verbessern. Wenn Du z. B. als Rock Gitarrist noch nie Fusion gehört hast, woher sollst Du dann wissen, ob Dir dieser Stil gefällt oder nicht? Und nur weil Du z. B. nach neuen Stilistiken suchst, heißt das nicht gleich, dass Du Deine bis dahin gehörte Musik, nicht mehr hörst.

Es geht mehr darum, einfach eine große Palette an z. B. unterschiedlicher Musik zu haben. Je nach Lust und Lauen kannst Du dann wählen was Du heute oder morgen hörst und Du kannst auch selber wählen, welche Eigenschaften des jeweiligen Stiles, Du in Deinen EIGENEN Stil als Gitarrist einbringen willst.

 

Um wirklich Deinen eigenen Stil zu finden, bedarf es mehr als „nur“ Gitarre zu üben und zu spielen. Andere, Dir noch unbekannte Musikstile, Bands etc. werden Deinen eigenen Stil viel mehr beeinflussen. Aus diesem Grund ist es so wichtig, sich nicht in einer Box gefangen zu halten und ausschließlich über mehrere Jahre nur dasselbe zu hören bzw. sich von ein und demselben inspirieren zu lassen.

Du kannst Dir aus fast jeden Stil den es gibt – und das sind sehr viele – etwas nehmen und in Deinen eigenen Stil einbauen. Das können diverse Techniken, Sounds, Tonleitern aber auch für den Stil typische Rhythmen und Akkorden sein. Nehme Dir aus jedem Stil die Parts, die Dir gefallen und kreiere so Deinen eigenen Stil. Wenn Du dich nur von einer kleinen Anzahl an diversen Musikstilen und Quellen inspirieren lässt, ist die Palette aus der Du am Ende wählen kannst, begrenzt.

Solltest Du einen hervorragenden Gitarrenlehrer haben, wird Dir dieser bei der Entwicklung Deines eigenen Stiles am besten weiter helfen können. Denn er weiß sehr genau was Deine Ziele und Bedürfnisse sind und er weiß – zumindest sollte er das wissen – wie Du diese am schnellsten und effektivsten erreichst.

 

Wie immer freue ich mich über Deine Kommentare und Fragen. Also poste sie!

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